1979
BCor 1 (1511-1524)
Jean Rott

Heidelberger Disputation (1518) - Entlassung aus dem Dominikanerorden (1521) - Die Stationen Bruchsal, Worms, Nürnberg, Landau und Weißenburg - Die Anfänge der Reformation in Straßburg (1524)

Lebensstationen
Bucer begegnet Luther auf der Heidelberger Disputation (18. April 1518) und führt mit ihm anschließend ein ausführliches Mittagsgespräch. Voller Begeisterung schildert der junge Elsässer diese Begegnung in seinem Brief an Beatus Rhenanus vom 1. Mai (BCor 1, Nr. 3, S. 58-76). In den folgenden Jahren liest Bucer die Schriften Luthers und stellt den Wittenberger nun nicht mehr neben, sondern über Erasmus. Bucer wendet sich der Reformation zu und erreicht auf verschiedenen Umwegen seine Entlassung aus dem Dominikanerorden (29. April 1521). Er wirkt zunächst als Hofkaplan beim Pfalzgrafen Friedrich in Bruchsal, Worms und Nürnberg (Mai 1521- Mai 1522), anschließend übernimmt er die Pfarrstelle Landau im Herrschaftsgebiet des  Reichsritters Franz von Sickingen. Im Sommer 1522 heiratet er Elisabeth Sibereisen, eine  ehemalige Nonne aus dem Kloster Lobenfeld im Kraichgau. Ab November des gleichen Jahres unterstützt er Pfarrer Motherer bei der Einführung der Reformation im elsässischen Weißenburg. Wegen ihrer Heirat vom Speyrer Erzbischof exkommuniziert, fliehen die Bucers im Mai 1523 nach Straßburg. Mit Wolfgang Capito, Kaspar Hedio und Matthias Zell führen sie schrittweise die Reformation in Straßburg ein (ab 1524). Seit April 1524 wirkt Bucer als Pfarrer an St. Aurelien, am 22. September 1524 verleiht ihm der Straßburger Rat das Bürgerrecht. Bucers Engagement für die Reformation mündet in kontroverstheologische Gespräche mit dem Augustinerprovinzial Konrad Treger und dem Franziskaner Thomas Murner.

Werke
Bucer verfasst 1523 den an Luthers Freiheitsschrift orientierten Traktat Das ym selbs niemant sonder anderen leben soll vnd wie der mensch da hyn kummen mo(e)g (Bucer, Bibliographie Nr. 1, S. 34). Darin sieht Bucer den Menschen prinzipiell auf seinen Nächsten ausgerichtet und beschreibt die Sozialität als die entscheidende Dimension menschliche Existenz.

Die 1524 in Straßburg eingeführten kirchlichen und liturgischen Neuerungen rechtfertigt Bucer in seiner Schrift Grund vn(d) vrsach ausz gotlicher Schrifft d(er) neüwerungen an dem nachtal des herren so man die Mess nennet Tauff, Feyrtagen, bildern vn(d) gesang in der gemein Christi, wan(n) die zu(o)samen kompt, durch vnnd auff das wort gottes zu(o) Straßburg fürgenommen (Bucer, Bibliographie, Nr. 8, S. 39).