1995
BCor 3 (1527-1529)
Christian Krieger, Jean Rott, Matthieu Arnold, Reinhold Friedrich

Abendmahlsstreit (1527-29) - Disputation von Bern (1528) - Marburger Religionsgespräch (1529) - Christliches Burgrecht (1529)

Im Abendmahlsstreit setzt Bucer seine Vermittlungsbemühungen unbeirrt fort. Er antwortet auf Luthers Schrift Vom Abendmahl Christi Bekenntnis mit seiner Abhandlung Vergleichung D. Luthers vnnd seins gegentheyls vom Abendmal Christi Dialogus. Das ist ein freündtlich gesprech (Bucer, Bibliographie, Nr. 33f., S. 53f.). In Luthers Formulierung einer unio sacramentalis sieht Bucer den Grundkonsens hinter dem Streit aufscheinen. Gegenüber Zwingli betont Bucer: Auch Luther lehnt eine lokale Einschließung des Leibes Christi im Brot ab und versteht die Einheit von Brot und Leib Christi nicht natürlich, sondern sakramental. Um eine Einigung zwischen Luther und Zwingli herbeizuführen, lädt Philipp von Hessen auf Initiative Bucers zum Marburger Religionsgespräch. Dort kann Bucer Luthers Mißtrauen gegen den Straßburger Vermittler aber nicht ausräumen, der bloße Streit um Worte - so Bucers Meinung - dauert an.

In Straßburg verwendet man die Mittel, welche die Aufhebung der Klöster brachten, auf die Neuordnung der Schulen. Die vergleichsweise liberale Asylpolitik führt zu einem Zustrom von Täufern. In mehreren Disputationen setzt Bucer sich mit ihnen auseinander, insbesondere mit Hans Denk, Ludwig Hätzer, Jakob Kautz und Pilgram Marbeck.

In der Schweiz siegt die Reformation in Bern. Man schafft die Messe ab und beseitigt die Bilder und Altäre (Berner Disputation 1528). Bern, Basel und Zürich verhandeln mit Straßburg über dessen Aufnahme in das Christliche Burgrecht (1529).

Bucer verfasst in diesem Zeitraum seine wirkmächtigen Bibelkommentare: die Auslegung der synoptischen Evangelien (1527; Bucer, Bibliographie Nr. 22f., 46f.), zum Epheserbrief (1527; ebd., Nr. 25, S. 48f.), zum Johannesevangelium (1528; ebd., Nr. 32, S. 52f.), zum Buch Zephania (1528; ebd., Nr. 35, S.54) und zum Psalter (1529; Nr. 37, S. 55).