September 1532 bis Juni 1533

hrg. v. Reinhold Friedrich, Berndt Hamm und Wolfgang Simon

Leiden/Boston 2014
Studies in Medieval and Reformation Traditions 179

Wegen des großen Anteils an Einzelkorrespondenten in Bucers Briefwechsel von September 1532 bis Juni 1533 versammelt dieser Band eine Vielzahl von Anliegen. Bucer soll etwa bei Stellenbesetzungen vermitteln, für säumige Schuldner eintreten, seine exegetischen Werke zusenden, einen Trostbrief schreiben, zur Visitation kommen, mittellosen Autoren zum Druck ihrer Bücher verhelfen oder schlicht Fürbitte einlegen. Auch Persönliches kommt so zur Sprache: die Geburt von Bucers Tochter Irene, die Erkrankung der Familie, die Hindernisse der Eheschließung Ambrosius Blarers oder das Sterben Konrad Sams. Trotz dieser vielfältigen Inanspruchnahmen verliert Bucer die Hauptthemen der vorausgehenden Korrespondenz nicht aus den Augen.

Die bereits in den vorausliegenden Bänden geführte Auseinandersetzung mit den Dissenters (BCor 7, S. XXf.; BCor 8, S. XIX) fokussiert sich zunächst auf Zweibrücken. Dort lehren einige die Sündlosigkeit aller Kinder, weshalb deren Taufe nutzlos sei. Als der aus Straßburg gesandte Hilfsgeistliche Georg Pistor mit ihnen sympathisiert und den Taufexorzismus unterlässt, verschärft sich der Konflikt zwischen ihm und dem zweibrückener Prediger Johannes Schwebel (vgl. bereits BCor 7, S. XVIII). Durch eine Intensivierung der Korrespondenz und die Sendung Kaspar Steinbachs suchen die Straßburger zu vermitteln. Der Auseinandersetzung mit den Dissenters soll auch die vom 3. bis 14. Juni abgehaltene Synode in Straßburg dienen. Hier diskutiert Bucer heftig mit den einschlägigen Protagonisten, insbesondere mit Anton Engelbrecht, kann die gewünschten Sanktionen beim Rat aber nicht durchsetzen.

Erfolgreicher ist er bei seinem zweiten Hauptthema, der Vermittlung im Abendmahlsstreit. Hier trägt Bucer mit seiner Stellungnahme zum Streit der Kemptener Prediger zwar nicht zu einer Beilegung, wohl aber zu einer Lösung des örtlichen Konflikts bei. Nachdem sein Werben um eine Verständigung mit Luther (BCor 8, Nr. 598) bei den Schweizern Irritationen hervorgerufen hat, die Luthers harsche Distanzierung von einer oberdeutsch-zwinglischen Abendmahlsauffassung im Schreiben an den Frankfurter Rat (WA 30/3, S. 554–571) noch vertiefte, bereist Bucer von Ende März/Anfang April bis Mitte/Ende Mai die Schweiz, um im persönlichen Gespräch mit den Baslern, Zürichern und Bernern die Wogen zu glätten. Wenn er sie auch nicht davon überzeugen kann, dass sie in der Sache mit Luther übereinstimmen, so gelingt es Bucer doch, ein Einvernehmen der Schweizer mit seiner Position herzustellen.

Von den Briefen dieses Bandes sind 47 % von Bucer verfasst und 53 % an ihn gerichtet. Verglichen mit dem Prozentsatz des sechsten (36 % von Bucer), des siebten (42 % von Bucer) und des achten Bandes (40 % von Bucer) begegnet Bucer hier also häufiger als Verfasser.