Geschichte


Bereits kurz nach Bucers Tod sichtete sein Mitarbeiter Konrad Hubert das Werk, ordnete es und begann es auch sporadisch zu kommentieren. Diese Bemühungen blieben jedoch in den Anfängen stecken. Lange Zeit genoss Martin Bucer nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Luther, Zwingli oder Calvin, da er keinen eigenen Konfessionstyp begründet hatte und zur Profilierung konfessioneller Identitäten nicht herangezogen werden konnte. Zudem verhinderte die schon von Zeitgenossen beklagte Unleserlichkeit seiner Handschrift eine angemessene Würdigung seiner intellektuell wie geographisch weit gespannten Wirksamkeit. Erst im 19. Jahrhundert erwachte im Zusammenhang mit dem Interesse an Unionen zwischen Lutheranern und Reformierten wieder das Interesse an Martin Bucer. Schnell wurde deutlich, dass eine ausgewogene Beurteilung Bucers ohne umfangreiches Quellenstudium nicht möglich war.

Von entscheidender Bedeutung war daher der Beschluss der Internationalen Bucer-Kommission (1952, unter Leitung der Professoren François Wendel und Robert Stupperich), die Edition der gesamten Werke Bucers (Opera Omnia) auf den Weg zu bringen.

Heute ist dieses Vorhaben in Bucers Deutsche Schriften (BDS), seine Opera Latina (BOL) und seine Korrespondenz (BCor) untergliedert. Für die Herausgabe der Deutschen Schriften wurde zunächst in Münster (Westfalen) eine Bucer-Forschungsstelle errichtet, die – von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften betreut – 1993 nach Heidelberg verlagert wurde.



Des Briefwechsels hatte sich zunächst Dr. Jean Rott in Straßburg angenommen. Er spürte die Dokumente in den Archiven Europas auf, klassifizierte sie und arbeitete sich über Jahre hinweg in die Entzifferung von Bucers kaum lesbarer und mit privaten Kürzeln operierenden Handschrift ein.

Nach seiner Emeritierung begann er mit der Edition des ersten Bandes, der 1979 erschien. Das Projekt begeisterte weitere Wissenschaftler: 1982 wurde Reinhold Friedrich gewonnen, ihn arbeitete Rott in die Entzifferung der Handschrift Bucers ein. Daneben wirkten seit 1990 Christian Krieger und Prof. Dr. Matthieu Arnold aus Straßburg mit. So konnten bis zum Tode Rotts (1998) die Bände II (1989) und III (1995) erscheinen. Sie umfassen den Zeitraum 1511 bis 1529.

Im Jahr 1997 sprach sich dann die Theologische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg einstimmig dafür aus, die Bucer-Briefwechsel-Edition nach Erlangen zu holen, falls eine Finanzierung des Projekts ermöglicht werden könne. Es gelang, die Deutsche Forschungsgemeinschaft als Partner und Förderer des Projekts zu gewinnen.

So konnte seit Februar 1998 unter der Leitung von Prof. Dr. Berndt Hamm die Korrespondenz Martin Bucers herausgegeben werden. Neben Prof. Dr. Reinhold Friedrich (seit 1998) arbeitete Andreas Puchta M.A. von 1998 bis Januar 2004 an der Edition mit, ihm folgte im Februar 2004 Dr. Wolfgang Simon. Auch Dr. Roland Liebenberg war als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent des Lehrstuhls für neuere Kirchengeschichte mit einer halben Stelle an dem Projekt beteiligt (Juni 2000 bis Januar 2004).

Unterstützt wird die Arbeit in Erlangen gegenwärtig durch einen philologischen Berater, den Latinisten Prof Dr. Christoph Schubert (Wuppertal), und durch die studentische Hilfskraft cand. theol. Thomas Kurz.

Prof. Dr. Matthieu Arnold (Französische Regesten) und Christian Krieger (Drucklegung) wirken von Straßburg aus am Fortgang der Arbeiten mit.